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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

OSTERZEIT
2. WOCHE - SAMSTAG

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ZEITEN DER NOT

Das Schiff Petri im Sturm.
Die helfende Hand des Herrn.
Innere Nöte.

I. Jesus entläßt die Menschen, die er durch die wunderbare Vermehrung der Brote und Fische gesättigt hatte. Auch die Jünger entfernen sich. Sie bestiegen ein Boot und fuhren über den See, auf Kafarnaum zu, heißt es im heutigen Evangelium1. »Die große Gemeinschaft der Drei - Herr, Apostel, Volk -, die noch eben so wunderbar gegliedert und einträchtig beisammen war, ist jäh zerrissen. Das Volk zerstreut und aufgelöst, die Apostel auf dem Meere und - welche Majestät in dem kurzen Satze! - Er allein auf dem Lande. Auf den Berg war er gestiegen, um zu beten - auch dies schafft noch eine ganz eigene, feierliche Stimmung zu diesem denkwürdigen Abend.«2 Denn es war schon dunkel geworden, ein stürmischer Gegenwind war plötzlich heraufgezogen und peitschte das Wasser zu hohen Wellen auf, so daß das Boot der Jünger immer mehr zur Mitte des Sees trieb.

Die christliche Tradition sieht in diesem Boot ein Bild für die Kirche, die die Welt wie ein Meer durchzieht und dabei immer wieder von Stürmen bedrängt wird. Nach Thomas von Aquin versinnbildet der Wind die Verfolgungen aufgrund mangelnder Liebe, die die Kirche erleidet. Er zitiert ein Wort des heiligen Augustinus, daß das Erkalten der Liebe die Wellen mächtiger werden läßt - doch weder Wind noch Sturm, weder Wellen noch Finsternis können das Schiff von seinem Kurs abbringen.3

»Der See Genesaret ist immer. Mit häufigen Orkanen und aufgepeitschen Wassern, die Fischerboote vom Kentern bedroht, das Leben der Fischer in Gefahr. So ist auch die Geschichte der Kirche, das Herz der Menschheitsgeschichte. Und Gott läßt zu, daß Boote kentern und ihre Insassen umkommen. Nur Boot wird, wiewohl es in alleräußerste Seenot geraten kann, nicht kentern und untergehen: das Schiff Petri, die Kirche (...). Die Nußschale des Simon auf einem palästinensischen Binnengewässer in einer stürmischen Nacht nimmt die ganze Kirche Gottes auf den Weltmeeren der Weltgeschichte vorweg. Nie verliert sie Jesus Christus aus den Augen. Immer kommt er ihr zu Hilfe, in Sturm und bei Nacht.«4

Gegenwärtige Bedrängnisse der Kirche dürfen uns nicht irremachen, denn wir wissen, daß sie auf ihrem Weg durch die Zeit und die Zeiten stets Wind und Wellengang zu trotzen haben wird: »Das alles ist keineswegs neu. Seitdem unser Herr Jesus Christus die Kirche gegründet hat, ist diese unsere Mutter ständig der Verfolgung ausgesetzt gewesen: früher vielleicht in aller Offenheit, heute oft heimlich und versteckt. Heute wie gestern fährt man fort, die Kirche zu bekämpfen. (...) Wenn wir feststellen, daß man ungestraft die Heiligkeit der Ehe und des Priestertums angreift, daß man die unbefleckte Empfängnis und die immerwährende Jungfräulichkeit unserer Mutter Maria und alle ihre Vorzüge, mit denen Gott sie ausgestattet hat, bestreitet, das fortwährende Wunder der realen Gegenwart Christi in der heiligen Eucharistie, den Primat des Papstes und selbst die Auferstehung Christi in Frage stellt - wie soll uns da nicht Traurigkeit erfüllen? Doch habt Vertrauen, denn die heilige Kirche ist unzerstörbar.«5

Wer die Kirche liebt, muß Schmerz und Trauer darüber empfinden. Doch verlassen wir uns auf Christus, der das Boot niemals aus den Augen verliert. Mitten auf dem windgepeitschten See schauen wir auf ihn. Wir beten für den Papst, für die Bischöfe und für alle, die in der Kirche besondere Verantwortung tragen; aber ebenso auch für alle, die ihr Leid zufügen; und für alle, die mit ihr leiden.

II. Markus nimmt in seinen Bericht vom Seesturm einen Hinweis auf, den wir geistlich fruchtbar machen können. Er erwähnt nicht nur die Not der Jünger, sondern sagt auch ausdrücklich, daß Jesus sie wahrnahm: Er sah, wie sie sich beim Rudern abmühten, denn sie hatten Gegenwind. »Der Bericht des Markus gewinnt dadurch einen schönen menschlichen Zug: der Herr kommt, weil er ihre Not . Aber es war mittlerweile schon um die vierte Nachtwache, also gegen Morgen zu (zwischen 3 und 6 Uhr früh). So lange hatte sie der Wind draußen festgehalten.«7 Matthäus wiederum erzählt in diesem Zusammenhang noch jene bekannte Reaktion des Petrus, der, spontan wie er ist, aus dem Boot springt und über das Wasser geht, dann mit wachsendem Zweifel zu sinken beginnt und vom Herrn gerettet wird8. Derselbe Petrus, dem der Herr die helfende Hand reicht, vernimmt die Verheißung: Die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen, denn Christus bleibt seiner Kirche immer nahe als ihr Haupt und Herr. Nach der Himmelfahrt sandte er den Seinen den Heiligen Geist, damit er sie in die ganze Wahrheit einführe. Er sandte sie in die ganze Welt und verhieß ihnen seinen Beistand bis ans Ende der Zeiten.

In seiner Enzyklika Mystici Corporis schreibt Papst Pius XII.: »Bald erleuchtet und stärkt er ihre Vorsteher, damit jeder von ihnen getreu und fruchtreich sein Amt ausübe. Bald - und dies zumal in schwierigen Zeitumständen - erweckt er im Schoße der Mutter Kirche Männer und Frauen, die durch den Glanz ihrer Heiligkeit hervorleuchten, um den übrigen Christgläubigen zum Beispiel zu dienen für das Wachstum seines geheimnisvollen Leibes. Mit besonderer Liebe aber blickt Christus vom Himmel auf seine makellose Braut, die hier auf Erden in der Verbannung leidet. Sieht er sie in Gefahr, so entreißt er sie der Sturmflut (...). Haben sich dann die Wogen gelegt und beruhigt, dann tröstet er sie mit jenem Frieden, >der alle Vorstellung übersteigt< (Phil 4,7).«12

Neben offener Verfolgung sieht sich die Kirche oft der Kritik jener ausgesetzt, die ihr das Versagen von einzelnen ihrer Glieder anlasten. Manchmal steht hinter dieser Haltung ein mangelndes Unterscheidungsvermögen. Manchmal aber ist es eine gezielte Verzerrung der Wirklichkeit: »In einigen - vornehmlich intellektuellen - Kreisen meint man bisweilen die Steuerung durch gewisse sektiererische Gruppen geradezu mit Händen greifen zu können. Immer geht es darum, die Kirche, bestimmte Personen oder Institutionen zu verdächtigen. Mit zynischer Beharrlichkeit und ganz unbekümmert um Wahrheit und Logik werden so Verleumdungen wachgehalten und weiter verbreitet. Manchmal beteiligen sich auch Katholiken daran.

Bete jeden Tag voller Glauben darum, >Ut inimicos< - denn so nennen sie sich selbst! - >Sanctae Ecclesiae humiliare digneris, te rogamus audi nos!< - Demütige du, o Herr, die, die dich verfolgen, mit der Klarheit deines Lichtes, das auszubreiten wir entschlossen sind.«13

Weder Angriffe von außen noch Ärgernisse von innen, noch mangelndes Taktgefühl gläubiger Christen im Umgang mit der Kirche, unserer Mutter, dürfen uns irremachen. All dies soll uns vielmehr Anlaß sein, betend und sühnend die Verbundenheit mit der Kirche zu vertiefen.

III. Nachdem die Jünger fünfundzwanzig oder dreißig Stadien (etwa fünf Kilometer) zurückgelegt hatten, sahen sie eine menschliche Gestalt auf dem Wasser einherschreiten und sich dem Boote nähern. Sie meinten, es sei ein Gespenst, und sie schrien vor Angst. Aber Jesus beruhigt sie: Ich bin es; fürchtet euch nicht!16

Es fällt nicht schwer, mühsames Ankämpfen gegen Sturm und Dunkelheit auf so manche innere Not des eigenen Lebens zu übertragen. Dann vernehmen wir das beruhigende Wort des Herrn: Ich bin es; fürchtet euch nicht! Das Evangelium will wohl andeuten, daß im selben Augenblick, da die Jünger in der geheimnisvollen Gestalt ihren Herrn erkennen, das Boot sein Ziel erreicht: Sie wollten ihn zu sich ins Boot nehmen, aber schon war das Boot am Ufer, das sie erreichen wollten. In dem Augenblick, da der Glaube wieder erwacht, schwindet die Ungewißheit. Und gerade dies will der Herr. Im Kommunionvers hören wir: Vater, ich will, daß alle, die du mir gegeben hast, dort bei mir sind, wo ich bin.18

Wir können niemals sagen, der Herr habe uns verlassen, heißt es doch im heutigen Antwortpsalm: Das Auge des Herrn ruht auf allen, die ihn fürchten und ehren, (...) denn er will sie dem Tod entreißen. Und voll Vertrauen antworten wir im Kehrvers, er möge seine Güte über uns walten lassen.

Schauen wir aus nach ihm in jeder Lebenssituation: in eigenen inneren Stürmen oder in denen einer aufgewühlten Welt. Suchen wir ihn auf im Gebet und in den Sakramenten. Sie stärken Glaube, Hoffnung und Liebe, sie läutern uns, sie lassen uns demütiger werden, sie lassen uns außerdem erkennen, wie uns, scheinbar allein gelassen, die Gemeinschaft der Heiligen wunderbar trägt: »Du bist nicht allein. - Trage die Drangsal mit Freude. - Armes Kind, du spürst in deiner Hand nicht die Hand deiner Mutter, das ist wahr. - Aber ... hast du eine Mutter beobachtet, wie sie mit ausgebreiteten Armen ihrem Kleinen folgt, wenn es unsicher die ersten Schritte ohne fremde Hilfe wagt? - Du bist nicht allein: Maria ist dicht bei dir.«20

6,16-21. - J.Dillensberger, , Bd.II: Das Brot des Herrn, Salzburg 1948, S.83. - vgl. Thomas von Aquin, Erläuterung zum Johannes-Evangelium. - P.Berglar, Petrus - Vom Fischer zum Stellvertreter, München 1991, S.82-83. - J.Escrivá, Das übernatürliche Ziel der Kirche, Köln 1974, S.7-8. - 6,45. - J.Dillensberger, a.a.O., S.84. - vgl. 14,28-32. - 16,18. - vgl. 14,16. - vgl. 28,20. - Pius XII., Enz. Mystici corporis, 39. - J.Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr.936. - vgl. 6,19. - 14,26. - Joh 6,20. - 6,21. - 17,24. - 33(32),18-19. - J.Escrivá, , Nr.900.

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