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ZWEITER FASTENSONNTAG

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VOM BERGE TABOR NACH GOLGOTA

Gott suchen - in außerordentlichen wie in gewöhnlichen Situationen.
Die Hoffnung auf die Vollendung im Himmel: »Es lohnt sich!«
Tieferes Bewußtsein der Gegenwart Gottes.

I. Mein Herz denkt an dein Wort: Sucht mein Angesicht! Dein Angesicht, Herr, will ich suchen. Verbirg nicht dein Gesicht vor mir, beten wir im Eröffnungsvers der heutigen Messe. Das Evangelium berichtet uns das Geschehen auf dem Berge Tabor. Kurz zuvor hatte Jesus seinen Jüngern in Cäsarea Philippi gesagt: Der Menschensohn muß vieles erleiden und von den Ältesten, den Hohenpriestern und den Schriftgelehrten verworfen werden; er wird getötet werden ... Die Apostel erschraken bei dieser Ankündigung und wurden traurig. Darauf nahm Jesus den Simon Petrus, Jakobus und Johannes mit sich und zog sich zurück, um zu beten. Es sind die drei Jünger, die später am Ölberg Zeugen seiner Todesangst werden sollten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß Die drei Apostel werden Zeugen des Gesprächs Jesu mit Mose und Elija, die in strahlendem Lichte plötzlich bei Jesus sind und von seinem Tod sprechen, der sich in Jerusalem ereignen wird.6

Tagelang waren die Apostel wegen der Ankündigung von Cäsarea Philippi niedergedrückt. Doch Jesu Wohlwollen läßt die drei nunmehr Zeugen seiner Verklärung werden. Leo der Große sagt dazu: »Der Hauptgrund für die Verklärung bestand darin, die Herzen der Jünger freizumachen vom Ärgernis des Kreuzestodes«1. Niemals werden die Apostel jene lichte Erscheinung vergessen, in der Jesus inmitten ihrer Bitternis für einige Augenblicke aufleuchtet. Jahre später wird der heilige Petrus sich das Erlebnis von damals vergegenwärtigen: Christus hörte die Stimme der erhabenen Herrlichkeit, die zu ihm sprach: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe. Diese Stimme, die vom Himmel kam, haben wir gehört, als wir mit ihm auf dem heiligen Berg waren.

Das Aufleuchten der göttlichen Herrlichkeit versetzt die Apostel in einen Zustand unsagbaren Glücks. Und wenn Petrus versucht, etwas zu sagen, gelingt ihm nur eine rührend naive Äußerung: Meister, es ist gut, daß wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen ... Er möchte die Zeit anhalten.

Der Evangelist bemerkt nüchtern: Er wußte aber nicht, was er sagte. Es ist, als ob er uns ermahnen möchte: Nicht auf eine uns überwältigende Gegenwart Jesu kommt es an, sondern auf die schlichte Nähe zu ihm, die uns alles verkraften läßt: das beglückendste Erlebnis eines persönlichen Triumphes wie die bedrückendste Erfahrung einer bösen Krankheit. Auf ihn schauen und sich in seiner Nähe wissen: darauf kommt es an. Nebenbei gesagt: dadurch entschwinden uns nicht Welt und Mitmenschen - im Gegenteil: alles bleibt, aber jetzt vom Lichte Christi erhellt. Das Gebet des Psalmisten kann zu einem Stoßgebet für unseren Alltag werden: Vultum tuum, Domine, requiram. - Dein Angesicht, Herr, will ich suchen.9

II. Ein Kirchenvater erläutert den Bericht von der Verklärung mit dem Hinweis, daß der Herr den drei Aposteln »erlaubte, für ganz kurze Zeit die ewige Glückseligkeit zu schauen, damit sie die Kraft gewännen, den kommenden Anfeindungen zu widerstehen.«10 Die Annahme liegt nahe, daß die Erinnerung an Tabor die drei Apostel später in vielen schwierigen Situationen in ihrer Treue bestärkte.

Jeder weiß, daß das menschliche Leben ein Unterwegssein ist, das irgendwann einmal endet. Für einen Christen ist dieses »Ende« die Vollendung einer Pilgerfahrt in unserer himmlischen Heimstatt11. Aber dieses Wissen macht den irdischen Weg deswegen nicht weniger rauh, steil, beschwerlich, und nicht seiten tückisch. jedoch trägt uns die tröstliche Verheißung des Himmels über alle Hindernisse hinweg, besonders dann, wenn sie von unserer menschlichen Schwäche herrühren: »In der Stunde der Versuchung solltest du die Liebe vor Augen haben, die im Himmel auf dich wartet: pflege die Tugend der Hoffnung. Das bedeutet keineswegs Mangel an Selbstlosigkeit.«12

Erst in der vollen Gemeinschaft mit Gott sind Angst, Ungewißheit und das quälende Streben nach Unerreichbarem gebannt. Erst dann wird der naive Wunsch des Petrus Wirklichkeit: Meister, es ist gut, daß wir hier sind! Die Herrlichkeit, die den Apostel damals blendete, wird dann unser Besitz für immer sein. »Stellen wir uns vor, wie der Himmel sein wird. Kein Auge hat geschaut, kein Ohr gehört, in keines Menschen Herz ist es gedrungen, was Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Könnt ihr euch vorstellen, was es bedeutet, dorthin zu gelangen, Gott gegenüberzutreten, in jene Herrlichkeit und Liebe, die sich in unsere Herzen ergießt und die den Hunger stillt, ohne zu sättigen? Ich frage mich häufig: Wie wird es sein, wenn sich die ganze Schönheit, die ganze Güte und die ganze unendliche Herrlichkeit Gottes in dieses arme tönerne Gefäß ergießen wird, das ich bin und jeder einzelne von uns? Und dann verstehe ich auf einmal jene Worte des Apostels: Kein Auge hat gesehen, kein Ohr gehört... Es lohnt sich, meine Kinder, es lohnt sich.«13

Der Gedanke an die verheißene Herrlichkeit des Himmels kann uns auf unserem Weg beflügeln, wenn wir uns müde fühlen. Eigentlich ist dies das einzige Gut, das letzten Endes lohnenswert ist. »Seid ihr immer entschlossen, lieber zu sterben als nachzulassen im Streben, das Ziel des Weges zu erreichen, so wird euch der Herr, wenn er euch in diesem Leben auch einigen Durst leiden läßt, im ewigen Leben in aller Fülle zu trinken geben. Ihr habt dann nicht mehr zu fürchten, daß es euch je an Wasser fehlen werde. Gott gebe nur, daß wir es jetzt nicht an uns fehlen lassen!«14

III. Da kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Die Wolke begegnet uns im Alten Testament als Zeichen der Anwesenheit Gottes: Dann verhüllte die Wolke das Offenbarungszelt, und die Herrlichkeit des Herrn erfüllte die Wohnstätte. Sie kündigt das Sprechen Gottes an: Der Herr sprach zu Mose: Ich werde zu dir in einer dichten Wolke kommen; das Volk soll es hören, wenn ich mit dir rede, damit sie auch an dich immer glauben. Die Wolke auf dem Berg Tabor umhüllt Christus, und Gott spricht: Das ist mein geliebter Sohn, an dem ich mein Wohlgefallen habe

In Jesus Christus ist Gott gegenwärtig, durch ihn spricht der göttliche Vater durch die Jahrhunderte zu allen Menschen. Seine Stimme bleibt besonders in der Verkündigung der Kirche durch die Zeiten hindurch vernehmbar. Diese »sucht ständig nach Wegen, um dieses Geheimnis ihres Meisters und Herrn dem Menschengeschlecht nahezubringen: den Völkern, den Nationen, den aufeinanderfolgenden Generationen, vor allem jedem einzelnen Menschen.«18

Und als sie aufblickten, sahen sie nur noch Jesuss. Sie sahen den Jesus, den sie kannten; jenen Jesus, den sie in ihrer vollen Menschlichkeit erlebt hatten, hungrig, müde, hilfsbedürftig. Die Gewahrung der göttlichen Herrlichkeit währte nur für Momente, dann waren sie wieder im Alltag - doch beim Herrn.

Jesus gewahren - bei ihm sein im Alltag. Das ist die Lehre des heutigen Evangeliums für unser geistliches Leben: Jesus begegnen in unserem Alltag, bei der Arbeit, auf der Straße, im Gebet und in den Menschen, wie auch dem Jesus, der uns in der Beichte vergibt und der in der Eucharistie wahrhaft, wirklich und wesenhaft

Vieles würde sich in unserem Alltag verändern, wenn wir uns der Gegenwart Gottes bewußter wären. Diese Tage der Fastenzeit bieten uns die Gelegenheit, es von neuem zu versuchen - durch ein Stoßgebet der Liebe, ein Wort der Reue oder eine geistige Kommunion. »Eine Frage für deine tägliche Gewissenserforschung: Habe ich heute eine Stunde verstreichen lassen, ohne mit Gott, meinem Vater, zu sprechen? ... Habe ich das Gespräch mit ihm gesucht, wie ein liebendes Kind es tut? - Du kannst es!«20

Eröffnungsvers der Messe vom Tage, 26,8-9. - 2 9,22. - 3 vgl. 9,2. - 4 vgl. 9,28. - 5 9,29. - 6 vgl. 9,31. - 7 Leo der Große, Predigt 51, 3. - 8 1,17-18. - 9 Ps 27,8. - 10 Beda, Kommentar zum Markusevangelium, 8,30; 1,3. - 11 vgl. 5,2. - 12 J. Escrivá, , Nr. 139. - 13 Josemaría Escrivá de Balaguer, Gründer des Opus Dei - Informationsblatt Nr. 1, Köln 1976, S.5 - 14 Theresia von Avila, Weg der Vollkommenheit, 20,3. - 15 9,7. - 16 40,34-35. - 17 19,9. - 18 Johannes Paul II., Enz. Redemptor hominis, 7. - 19 17,8. - 20 J. Escrivá, Die Spur des Sämanns, Nr. 657.

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