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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

JAHRESKREIS
11. WOCHE - SAMSTAG

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Alles gereicht zum guten

Der Schöpfer ist unser Vater.
Die göttliche Vorsehung.
»Omnia in bonum!«

I. Die Heilige Schrift beginnt mit den feierlichen Worten: Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.1 Dieser Bericht wird zum Bekenntnis, wenn wir beten: Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde2. Er hat alles ins Dasein gerufen - die fernen Welten wie die unfaßbar winzigen Mikroorganismen - und sein Werk nicht einfach sich selbst überlassen: »Er gibt ihm nicht nur das Sein und das Dasein, sondern er erhält es auch in jedem Augenblick im Sein, gibt ihm die Möglichkeit zu wirken und bringt es an sein Ziel.«3 Das Alte Testament preist immer wieder in bildreicher Sprache dieses Wirken Gottes: Er bedeckt den Himmel mit Wolken, spendet der Erde Regen und läßt Gras auf den Bergen sprießen. Er gibt dem Vieh seine Nahrung, gibt denjungen Raben, wonach sie schreien.4 Wenn dies schon für die Pflanzen und das Vieh gilt, um wieviel mehr für den Menschen, der dazu geschaffen worden ist, »Gott zu dienen, ihn zu lieben und ihm die ganze Schöpfung darzubringen«5.

Unser Vater Gott will das Beste für seine Kinder. Sein Blick umfaßt unser gegenwärtiges Leben und zugleich die Ewigkeit; unser Blick hingegen reicht nicht sehr weit. Es ist nur logisch, daß die menschliche Erfüllung wesenhaft darin besteht, den Willen Gottes zu erkennen, zu lieben und zu verwirklichen.

Im Evangelium der heutigen Messe6 nennt der Herr ein entscheidendes Kriterium für das Gelingen des Lebens: Sorgt euch nicht um euer Leben und darum, daß ihr etwas zu essen habt, noch um euren Leib und darum, daß ihr etwas anzuziehen habt. Ist das Leben nicht wichtiger als die Nahrung und der Leib wichtiger als die Kleidung? Seht euch die Vögel des Himmels an: Sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie.

Eine Aufforderung zur Hoffnung in jeder Lebenssituation! In den gewöhnlichen Verhältnissen des Alltags, wenn alles seinen guten Gang geht, fällt es nicht schwer, unserem Vater Gott zu danken. Aber was, wenn es uns einmal hart ankommt, wenn wir dem eigenen und - manchmal noch bedrückender - fremdem Leiden begegnen? Gerade dann sollen wir nicht bloß bedenken, sondern bekennen, daß wir in Gottes Händen sind, in den Händen eines liebenden Vaters. Nicht, daß wir das Warum eines bestimmten Leidens verstünden, aber wir sind im Einklang mit dem Sinn unseres Lebens, und uns wird Frieden zuteil.

Dann überlassen wir uns getrost Gottes Wegen. »Hast du nicht aus dem Munde des Meisters das Gleichnis vom Weinstock und den Reben vernommen? Sei getrost: Er fordert viel von dir, weil du eine Rebe bist und Frucht bringst ... Er beschneidet dich, >ut fructum plus afferas<, damit du mehr Frucht bringst. Natürlich schmerzt dieses Beschneiden und Herausreißen! Aber wie köstlich sind hernach die Früchte und wie ausgereift die Werke!«7

II. Häufig wissen wir Menschen nicht, was gut für uns ist, wenn wir unser Morgen planen. Aus der Perspektive Gottes sieht das ganz anders aus: er weiß, was für uns gut ist, hat seine Pläne mit uns, und wir sollen uns ihnen öffnen. »Was zwischen Geburt und Tod vorsichgeht, das Geschehen und Tun, das die Tage füllt - was ist das? Die Einen sagen, Naturnotwendigkeit. Die Anderen, geschichtliche Folge. Die Dritten haben ein dritte Theorie. Der Glaube sagt: Es ist Vorsehung. Der Gott, der dich geschaffen hat; der Gott, der dich erlöst hat; der Gott, der dich einst in sein Licht stellen wird - er fügt dein Dasein. Was darin geschieht, ist Botschaft, Forderung, Prüfung, Hilfe, die von ihm kommen. Dieses nicht nur zu hören oder im Wissen zu haben, sondern ins innere Leben zu nehmen - muß das nicht alles verändern? Nicht bloß hier Mut geben oder dort eine Überheblichkeit dämpfen, sondern allem, dem Ganzen, dem Zusammenhang des Daseins einen neuen Charakter geben?«8

Es beginnt mit der gläubigen Einsicht: Herr, nur du weißt, was zwischen Geburt und Tod für mich am besten ist. Ich überlasse mich dir. Diese Haltung bestimmt dann das Alltagsgeschehen und führt zu einem friedvollen Sich-Überlassen, das dem Schmerzvollen im eigenen Leben, dem Unverständlichen im Leben anderer und dem oftmals Unfaßlichen im Weltgeschehen seine Unerbittlichkeit nimmt.

Das heutige Evangelium handelt ausschließlich von Gottes Vorsehung: Wenn Gott aber schon das Gras so prächtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen in den Ofen geworfen wird, um wieviel mehr dann euch9. Der Herr will uns damit sagen, das alles, »was immer in der Welt ist und vor sich geht, durch die Liebe, Weisheit und Macht des Vaters zum Heil des glaubenden Menschen gelenkt«10 wird. Christus mahnt uns, alles seinem himmlischen Vater zu überlassen, der weiß, was wir brauchen. »Dem Hörer wird nicht versichert, er könne Ernst und Arbeit wegtun und in den Tag hineinleben, weil wunderbare Mächte für ihn sorgen. Was da gesagt wird, steht in der Wirklichkeit des Daseins und übersieht keine ihrer Härten. Worum es sich handelt, ist kein Spiel der Phantasie, sondern letzter Ernst. Andererseits aber auch nicht von der Welt her Selbstverständliches: etwa daß alle Dinge unverbrüchlichen Ordnungen folgen und man sich in diese stellen müsse, oder daß der Zuversichtliche das Leben leichter meistere als der Ängstliche und Mißtrauische. Vielmehr etwas Unerhörtes: daß dem lebendigen Gott in persönlicher Weise an jedem einzelnen Menschen liege und er bereit sei, für diesen zu sorgen. Weder Märchen also noch Naturphilosophie oder Lebensmoral, sondern Offenbarung aus der Freiheit Gottes heraus.«11 Diese Glaubenseinsicht vermag uns festen Halt zu geben, zumal inmitten der größten Widerwärtigkeiten. Vergessen wir nicht, daß Gott uns schon hier auf Erden glücklich haben will - und glücklicher noch bei sich in der Ewigkeit.

= 11 Diese Glaubenseinsicht vermag uns festen Halt zu geben, zumal inmitten der größten Widerwärtigkeiten. Vergessen wir nicht, daß Gott uns schon hier auf Erden glücklich haben will - und glücklicher noch bei sich in der Ewigkeit.Der Glaube an Gottes Vorsehung schafft den Raum, uns in den Pflichten und Aufgaben eines jeden Tages und in unseren persönlichen Umständen zu heiligen. Dieses Sich-Überlassen ist aktiv und eigenverantwortlich. So ist es selbstverständlich, daß wir eine Krankheit nicht nur gottergeben ertragen, sondern auch zum Arzt gehen; daß wir das Nötige unternehmen, damit das Gebet um einen Arbeitsplatz auch wirksam werden kann; daß wir die erforderliche Zeit dem Studium einer Angelegenheit widmen, deren Lösung uns anvertraut wurde. Sich Gott überlassen und Eigeninitiative gehören zusammen; denn eine träge Passivität hat mit dem Glauben an Gottes Vorsehung nichts zu tun.

III. »Wir freuen uns, wenn wir betrachten, wie Gott durch die Fülle der Güter, die er Menschen und Engeln verleiht, seine Barmherzigkeit offenbart, und wie sich in allen Strafen und Leiden seine Gerechtigkeit kundtut. Denn seine Gerechtigkeit ist ebenso liebenswert wie sein Erbarmen; sind doch beide nichts als ein Ausfluß der göttlichen Güte. Da uns aber die Wirkungen seiner Gerechtigkeit bitter dünken, versüßt er sie stets dadurch, daß er sie mit dem Walten seiner Barmherzigkeit paart. Tod und Trübsal, Mühen und Plagen, an denen unser Leben so reich ist und die nach Gottes gerechter Anordnung Strafen für die Sünden sind, werden uns durch seine Barmherzigkeit zur Himmelsleiter, zu Mitteln, Fortschritte zu machen und Verdienste zu erwerben, damit wir zur ewigen Herrlichkeit gelangen. Darum sind Armut, Hunger, Durst, Traurigkeit, Krankheit, Tod und Verfolgung seligzupreisen.«12 Und darum dürfen wir wie der Apostel sagen: Wir wissen, daß Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt.13

Paulus deutet an, daß dieses Wissen nur jenen geschenkt wird, die Gott lieben. Erlahmt die Liebe, dann erblindet das Auge für die Vatergüte Gottes, und der Mensch beginnt, für alle Fälle selbst sein Schicksal in die Hand zu nehmen - er wird zum Macher. Er erfährt dann bald seine Grenzen, die Ungewißheit quält ihn. Sein Einsatz der Mittel hat etwas von der Unruhe und Hektik dessen, der glaubt, allein zu sein. Anders, wenn man mit Gott einig ist und ihn vertrauensvoll gewähren läßt. Ein solcher Mensch setzt dann die Mittel ein, die ihm zugänglich sind, und betet: Omnia in bonum!, alles gereicht zum Guten.

Diese Überzeugung ist eine Frucht der Gotteskindschaft. Sie gibt uns einen von Glauben und Hoffnung geprägten Realismus: »Dir ist, als stürze die ganze Welt über dir zusammen. Nirgendwo zeigt sich ein Ausweg. Wirklich, diesmal ist es unmöglich, der Schwierigkeiten Herr zu werden.

Hast du denn wieder vergessen, daß Gott dein Vater ist? Ein allmächtiger, allwissender, barmherziger Vater? Niemals kann er dir Schlechtes schicken. Was dir Sorgen bereitet, ist gut für dich, auch wenn deine irdischen Augen jetzt blind sind.

Omnia in bonum! Herr, dein allwissender Wille geschehe, jetzt und immer!«14

Omnia in bonum! Alles wird gut! Da haben wir ein kraftvolles Stoßgebet, das Zuversicht und Frieden schenkt und Raum schafft für die Aufgaben jeden Augenblicks.

Möge die allerseligste Jungfrau, unsere Mutter, uns lehren, unser Leben vertrauensvoll in die Hände Gottes zu legen.

1 Gen 1,1. - 2 Apostolisches Glaubensbekenntnis. - 3 Katechismus der Katholischen Kirche, 301. - 4 Ps 147,89. - 5 Katechismus der Katholischen Kirche, 358. - 6 Mt 6,24-34. - 7 J.Escrivá, Der Weg, Nr.701. - 8 R.Guardini, Der Herr, Würzburg 1951, S.348. - 9 Mt 6,30. - 10 R.Guardini, Vorschule des Betens, Mainz 1986, S.122. - 11 ebd., S.123. - 12 Franz von Sales, Über die Gottesliebe, Einsiedeln 1985, S.138. - 13 Röm 8,28. - 14 J.Escrivá, Der Kreuzweg, IX,4.

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