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Francisco Fernández-Carvajal Hablar con Dios

FASTENZEIT
1. WOCHE - FREITAG

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FASTENZEIT: ZEIT DER BUSSE

Die Sünde ist immer persönlich. Aufrichtigkeit, um unsere Irrtümer und Schwächen zu erkennen.
Die eigene Sünde hat Auswirkungen auf andere. Mitverantwortung im Geiste der Gemeinschaft der Heiligen.
Buße im Alltag.

I. Die Heilkraft echter Buße als Umkehr des Herzens zu Gott kann ohne Wirkung bleiben, wenn man der Versuchung nachgibt, den persönlichen Charakter der Sünde zu vertuschen. In der ersten Lesung der heutigen Messe warnt der Prophet Ezechiel seine jüdischen Landsleute davor, das Exil als eine Strafe wegen längst vergangener Sünden der Alten zu deuten. Nein: der Prophet deutet es als eine Strafe für die Sünden jedes einzelnen seiner Zeitgenossen. Durch seinen Mund belehrt uns der Heilige Geist darüber, daß jeder selbst die Verantwortung trägt für seine Sünden wie für seine Buße und für sein Heil.

So spricht der Herr: Nur wer sündigt, soll sterben. Ein Sohn soll nicht die Schuld seines Vaters tragen und ein Vater nicht die Schuld seines Sohnes. Die Gerechtigkeit kommt nur dem Gerechten zugute, und die Schuld lastet nur auf dem Schuldigen1

Gott will, daß der Sünder umkehrt und so am Leben bleibt, aber dies erfordert das Mitwirken des Sünders durch Reue und Buße. »Die Sünde im wahren und eigentlichen Sinnn ist immer ein Akt der Person, weil sie ein Akt der Freiheit des einzelnen Menschen ist, nicht eigentlich einer Gruppe oder einer Gemeinschaft« sagt Johannes Paul II.3 Ein Mensch kann von äußeren Einflüssen getrieben sein, Neigungen, Belastungen und Gewohnheiten unterworfen sein, die seine Freiheit und damit seine Verantwortung und Schuld vermindern. »Aber es ist eine Glaubenswahrheit, von Erfahrung und Verstand bestätigt, daß die menschliche Person frei ist. Man darf diese Wahrheit nicht übersehen und die Sünde der einzelnen nicht auf äußere Wirklichkeiten - auf Strukturen und Systeme oder auf die anderen Menschen - abwälzen. Das würde vor allem bedeuten, die Würde und die Freiheit der Person zu zerstören, die sich - wenn auch nur negativ und in entstellter Weise - auch in der Verantwortung für die begangene Sünde zeigen. Darum gibt es im Menschen nichts, was so persönlich und unübertragbar ist wie das Verdienst aus der Tugend oder die Verantwortung für die Schuld.«4

Es ist daher eine Gnade des Herrn, wenn wir die vergangenen Sünden bereuen und die gegenwärtigen nicht bemänteln, selbst wenn es sich nur um kleine Fehler aus mangelnder Liebe handelt. Dann können auch wir uns  das Wort des Psalmisten zueigen machen: Denn ich erkenne meine bösen Taten, meine Sünde steht mir immer vor Augen Und nachdem wir unsere Sünden bekannt haben, vernehmen wir die Worte des Herrn: Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!6

Aber die Sünden hinterlassen eine Spur in uns. »Auch wenn die Sünden vergeben sind, bleiben doch ihre Spuren in der Seele zurück, Neigungen, die durch vorangegangene Taten entstanden sind; sie sind jedoch abgeschwächt und gedämpft, so daß sie den Menschen nicht mehr beherrschen und eher als Hang denn als Gewohnheit weiterwirken.«7 Außerdem gibt es da noch Sünden und Fehler in uns, die wegen mangelnder Feinfühligkeit des Gewissens unerkannt geblieben sind. Mit Hilfe der Buße können wir diese Keimlinge ausreißen, damit sie nicht bittere Früchte hervorbringen.

Die Fastenzeit bietet uns zahlreiche Gelegenheiten, Buße zu tun. Damit wir uns nicht in abstrakten Wünschen verlieren, wollen wir sie konkretisieren: etwas mehr Zurückhaltung beim Essen - als Ergänzung zur Abstinenz, die die Kirche in konkreten Fällen vorschreibt -, pünktliches Einhalten unserer Termine - als Zeichen der inneren Ordnung und nicht zuletzt Achtung vor dem Nächsten -, die schweifende Phantasie zügeln und vieles mehr. Im geistlichen Gespräch mit einem erfahrenen Seelsorger oder in der Beichte können wir darüber hinaus solche Abtötungen finden, die konkret auf unsere momentane Situation abgestimmt sind.

II. Die Spur, die die Sünde in unserer Seele hinterläßt, kann nur durch persönliche Reue und persönliche Liebe getilgt werden. Sie hat auch Auswirkungen auf unsere Mitmenschen, und zwar nicht allein durch die spürbaren Folgen unseres Tuns, sondern in einem noch viel tieferen Sinne: »Das ist die Kehrseite jener Solidarität, die sich auf religiöser Ebene im tiefen und wunderbaren Geheimnis der Gemeinschaft der Heiligen darstellt, derentwegen jemand hat sagen können, daß >jede Seele, die sich selbst emporhebt, die Welt emporhebt<. Diesem Gesetz des Aufstiegs entspricht leider das Gesetz des Abstiegs, so daß man auch von einer Gemeinschaft der Sünde sprechen kann, durch die eine Seele, die sich durch die Sünde erniedrigt, mit sich auch die Kirche erniedrigt und in gewisser Weise die ganze Welt. Mit anderen Worten, es gibt keine Sünde, und sei sie auch noch so intim und geheim und streng persönlich, die ausschließlich den betrifft, der sie begeht. Jede Sünde wirkt sich mehr oder weniger heftig und zum größeren oder kleineren Schaden aus auf die gesamte kirchliche Gemeinschaft und auf die ganze menschliche Familie.«8

Dies ist ein weiterer Grund, uns für die anderen mitverantwortlich zu fühlen. Wir sind dem ganzen mystischen Leib Christi nützlich, auch als Büßende. Aber natürlich bezieht sich unsere Verantwortung besonders auf jene, mit denen wir uns enger verbunden fühlen, weil der Herr sie uns auf den Weg gestellt hat: »Wenn du die Gemeinschaft der Heiligen spürst, wenn du sie lebst, wirst du spontan Buße tun. - Du wirst begreifen, daß die Buße >gaudium etsi laboriosum< ist, eine Freude, wenn auch mühevoll. Du wirst dich mit allen büßenden Menschen >im Bunde< wissen, denen von gestern, von heute und morgen.«9 »Du wirst deine Pflicht leichter erfüllen, wenn du an die Hilfe denkst, die deine Brüder dir leisten. Und an die Hilfe, die du ihnen versagst, wenn du nicht treu bist.«10

Aus dieser Sicht bekommt die Buße eine neue Dimension. Sie betrifft mich, sie ist an erster Stelle für mich wichtig, wegen meiner Sünden. Aber als Christen mitten in der Welt fällt es uns leicht zu verstehen, daß sie auch für die Welt wichtig ist. Deswegen soll es uns nichts ausmachen, wenn andere einmal merken, daß wir - frohen Herzens - Buße tun. »Wenn sie Zeugen deiner Schwächen und Armseligkeiten waren, warum dann nicht auch deiner Buße?«11

III. Der Alltag bietet zahlreiche Gelegenheiten zur Buße. Wir brauchen sie nur zu ergreifen: eine Krankheit, Erschöpfung, ein Einlenken um des Friedens willen. Wir dürfen annehmen, daß Gott jene Taten der Buße besonders gerne hat, die gleichzeitig Ausdruck der Zuwendung zum Nächsten sind.

Im Evangelium der heutigen Messe sagt uns der Herr: Wenn du deine Opfergabe zum Altar bringst und dir dabei einfällt, daß dein Bruder etwas gegen dich hat, so laß deine Gabe dort vor dem Altar liegen; geh und versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, komm und opfere deine Gabe Die Darbringung der Gaben und die Liebe zum Nächsten gehören also zusammen. Deswegen sind jene Äußerungen der Buße besonders wertvoll, die von der Liebe zum Nächsten zeugen: Bereitschaft zur Versöhnung, geduldige Hingabe in der Bildung oder Erziehung junger Menschen usw. Leo der Große sagt hierzu: »Auch wenn man zu jeder Zeit auf die Heiligung des Leiblichen achten soll, so müßt ihr euch in dieser Zeit des Fastens um eine tiefere Frömmigkeit bemühen. Gebt Almosen, denn das ist eine ausgezeichnete Möglichkeit, unsere Fehler wiedergutzumachen; aber vergebt auch Beleidigungen, und unterlaßt das Klagen gegen jene, die euch Böses angetan haben.«13 »Seien wir immer bereit zu verzeihen, mit einem Lächeln auf den Lippen. Reden wir deutlich, ohne Groll, wenn wir im Gewissen meinen, daß wir reden sollen. Und legen wir alles in die Hände Gottes, unseres Vaters, indem wir jenes göttliche Schweigen nachahmen - Iesus autem tacebat ( 26,63), Jesus aber schwieg -, wenn es sich um Angriffe auf unsere eigene Person handelt, mögen sie auch noch so brutal und schamlos sein.«14

Auf dem Weg zum Altar werden wir deshalb versuchen, alles hinter uns zu lassen, was es an Groll, Feindseligkeit, Abneigung oder gar Haß - offen oder unterschwellig - in uns geben mag. Stattdessen werden wir uns um Verständnis, Freundlichkeit, Nachsicht und Barmherzigkeit bemühen. So können wir andere dafür gewinnen, den Reichtum echter Buße zu entdecken und Christus auf seinem Leidensweg zu folgen.

Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun 23,34).- Die Liebe ist es, die den Herrn nach Golgota geführt hat. Und auch jetzt, da er schon am Kreuz hängt, ist jede Gebärde, ist jedes Wort Ausdruck der Liebe, einer langmütigen, starken Liebe. (...) - Wir aber, aus Schmerz innerlich zerbrochen, wollen in tiefster Aufrichtigkeit zu Jesus sagen: Ich bin dein, ich gebe mich dir hin und lasse mich gern ans Kreuz schlagen, indem ich inmitten der Welt ein Mensch bin, der ganz dir gehört: Deiner Verherrlichung, deinem Erlösungswerk und der Miterlösung der ganzen Menschheit dienend.«15

Möge Unsere Liebe Frau uns lehren, immer wieder Gelegenheiten zu finden, aus der Buße eine liebenswürdige Übung zu machen als Beweis dafür, daß Kreuz und Freude zusammengehören.

18,20. - 2 18,23. - 3 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 16. - 4 ebd. - 5 51,5. - 6 vgl. 8,11. - 7 Thomas von Aquin, Theologica, III,q.86,a.5.c. - 8 Johannes Paul II., Apost. Schreiben Reconciliatio et Paenitentia, 2.12.1984, 16. - 9 J. Escrivá, , Nr. 548. - 10 ebd., Nr. 549. - 11 ebd, Nr. 197. - 12 5,23-24. - 13 Leo der Große, Predigt 45, Über die Fastenzeit. - 14 J. Escrivá, Christus begegnen, 72. - 15 J. Escrivá, Der Kreuzweg, XI.

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